Dialekt

P-Seminar "Mundartliche Tonaufnahmen von Ortsnamen"


Nach rund 20 Jahren Vorplanung begann im Dezember 2020 ein vierjähriges Projekt zur Erfassung der mundartlichen Form der (bislang noch nicht erfassten) Ortsnamen in Bayern in Kooperation der Kommission für bayerische Landesgeschichte (KBL) bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und dem Verband für Orts- und Flurnamenforschung in Bayern e.V. (VOF). Finanziert wird das Forschungsvorhaben durch das Heimatministerium.

Der sperrige Titel beschreibt zwei große Teilprojekte: Die Neuerfassung der mundartlichen Formen als Audiofiles (Teilprojekt I) und die Einarbeitung vorhandener Tonaufnahmen aus unterschiedlichsten Quellen (Teilprojekt II).

Da für das Projekt sogenannte Gewährspersonen benötigt werden, die tief in ihrer Region verankert und meist um die 1940er-Jahren geboren sind, ist die Dringlichkeit dieses Vorhabens offensichtlich. Ziel des Projekts ist es, für jeden Ortsnamen in Bayern – sowohl amtlich als auch nicht amtlich und wüstgefallene Siedlungen – mindestens eine Tonaufnahme zu konservieren.

Die Arbeitsschritte umfassen dabei die eigentliche Erstellung der Tondateien vor Ort, den anschließenden Schnitt der Aufnahmen sowie die Transkription der einzelnen Mundartform in Teuthonista. Die Arbeitspakete sind so aufgebaut, dass alle Mitwirkenden alle drei Schritte machen können, aber nicht müssen. Die Person, die aufnimmt, muss also nicht zwangsläufig auch schneiden. Wir suchen nicht die „eierlegende Wollmilchsau“, sondern wollen es so niederschwellig wie möglich gestalten.

Genau diese arbeitsteilige Herangehensweise ermöglicht es uns, einen größeren Personenkreis zur Mitwirkung am Projekt zu gewinnen. Dadurch wäre es möglich, dass auch Schülerinnen und Schüler in Form eines P-Seminares mitarbeiten können.

Durch Schulungen der Lehrerinnen und Lehrer seitens der Geschäftsführinnen des Projekts wäre eine Durchführung von P-Seminaren denkbar. Außerdem würden die Lehrkräfte ausreichend Informationsmaterial, wie Richtlinien sowie Handreichungen beispielsweise zur Aufnahmesituation sowie Ortslisten der ausgewählten Gemeinden erhalten. Die technische Grundausstattung würde von Seiten des Projekts zur Verfügung gestellt werden.

Die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler wäre es, Kontakt zu möglichen Gewährspersonen aufzunehmen und nach einer Einarbeitung in den jeweiligen Dialekt (beispielsweise durch den Sprachatlas) der Region Aufnahmen vor Ort durchzuführen. 

Bei Interesse von Seiten der Lehrkraft und der Schülerinnen und Schüler können erste Versuche in Richtung Lautschrift unternommen werden – auch hier stehen die entsprechenden Handreichungen zur Verfügung.

Die Tonaufnahmen fließen über eine eigens angelegte Web-Anwendung ins Projekt ein. Dort können auch die Schnittdateien und mögliche Transkriptionen hochgeladen werden.

Die einzelnen Karten zu den Regierungsbezirken bilden den jeweiligen Erfassungsstand ab und zeigen mögliche Landkreise bzw. Gemeinden, in denen Schülerinnen und Schüler tätig werden können. Durch ein früheres Projekt der KBL sind die amtlichen Ortsnamen Schwabens nahezu vollständig erhoben, während Unter- und Mittelfranken einen Flickenteppich bilden und die Oberpfalz etwa zur Hälfte abgedeckt ist, aber dort jeweils ganze Gemeinden erhoben sind. Oberfranken sowie Ober- und Niederbayern hingegen sind noch sehr „weiß“. Diese weißen Stellen gilt es flächendeckend zu füllen.

Durch die Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern könnte nicht nur unser Vorhaben zum „Mehrgenerationenprojekt“ umgesetzt, sondern auch potentieller Nachwuchs an die praktische und nicht nur theoretische Arbeit von Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern herangeführt werden.

Karten

Zur Veranschaulichung hier exemplarisch die Karte Oberbayerns mit dem Stand der Erfassung:

Oberbayern

Die anderen Karten können Sie in den unten stehenden PDF-Dateien abrufen:

Bildnachweis der Karten jeweils:
CC-BY 3.0,
Kartengrundlage: Bayerische Vermessungsverwaltung – www.geodaten.bayern.de,
Bearbeitung: Jochen Gaab

Allgemeiner Hinweis zu den Karten:
Diese Kartenausschnitte aller bayerischer Bezirke zeigen, dass in einzelnen Landkreisen und Gemeinden schon Tonaufnahmen stattgefunden haben – in anderen Regionen steht die Erfassung von mundartlichen Ortsnamen noch aus.

Dialekte in Bayern

Ziel dieser schulartübergreifend angelegten Handreichung ist es, den Mundarten in Bayern den ihnen gebührenden Stellenwert einzuräumen und die Verbundenheit der Schülerinnen und Schüler mit ihrer bayerischen Heimat zu stärken. „Dialekt und Hochsprache!“ lautet die Forderung, die für eine bewusste Ausbildung der inneren Mehrsprachigkeit plädiert.
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